2019 Radrunde Kreta - vokra.de

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

2019 Radrunde Kreta

Auf Tour
Vom 20. April – 4. Mai 2019
Einmal rund um die Götterinsel Kreta
Zwei Wochen am Nabel Europas, begleitet von Mythen und Minoern, und jede Menge Höhenmetern

Start in Köln-Porz. Den Transfer zum Düsseldorfer Flughafen übernimmt unser "Taxifahrer" Thomas. Er besitzt als Einziger ein Fahrzeug, in das die Rad-Kartons passen. Zum ersten Mal haben wir uns für diese Verpackung entschieden, bei der wir weniger Schäden durch den Flugtransport erwarten.
Was wir nicht ahnen können: In ganz Heraklion gibt es nicht ein Taxi, das uns mit den Kartons zum Hotel fahren kann. Es sind nur Limosienen üblich. Doch einer der vielen Taxifahrer erbarmt sich und löst das Problem auf seine Weise. Den sicher verkehrswidrigen Einsatz lässt er sich von uns fürstlich entlohnen.
Schon am ersten Tag werden wir mit einer schönen Tradition bekannt gemacht: Nach einer Mahlzeit wird ein kretischer Raki serviert – auf Kosten des Wirtes und teilweise in einer Menge, die eigentlich eine weitere Teilnahme am Straßenverkehr verbietet.
Am zweiten Tag steht eine vorgebuchte MTB-Tagestour an. Mit Martinbike haben wir einen Veranstalter gefunden, der uns für diesen Tag nicht nur mit topaktuellen Fullys versorgt, sondern uns auch kenntnisreich durch alte Olivenhaine lotst. Die Guides sparen nicht an lockeren Erklärungen zu Natur und mythenreicher Geschichte der Insel.
Immer wieder genießen wir den mühsam erkämpften Ausblick auf die Istro-Bucht, manchmal aber auch "nur" auf die gestählten Waden unseres Guide...
Die erste echte Herausforderung (mit Gepäck) erleben wir beim Erklimmen des Lasiti-Plateaus. Diese fruchtbare Hochebene diente den Kretern zu allen Zeiten bei den zahlreichen Besetzungen als Rückzugsgebiet. In den 50er Jahren war dies mit über 10.000 Wasser fördernden Windrädern der älteste Windpark der Welt. Heute läuft alles - wenn überhaupt - elektrisch. Die rostigen Gerüste dieser stolzen Agrarkultur liegen heute als stummes Mahnmal in der Wiese.
Ab dem dritten Tag gewinnt die Sonne die Oberhand und die Jacken können in der Tasche bleiben. Was wäre eine Radtour ohne die Pausen in kleinen Kafenions am Straßenrand - mit Kaltgetränk oder einem Kaffee.
Ernüchternd dagegen die endlosen Kilometer Plastikschlauch, mit denen jeder Baum (Orange oder Olive) mit Wasser versorgt wird. Offenbar wird die Wassermenge genau abgerechnet, aber wer kümmert sich um die vielen Schläuche, die nicht mehr gebraucht werden, und in der Natur einfach nicht verrotten wollen?
Wir durchqueren die weitläufige Messara-Ebene und erkunden an deren Ende den minoischen Palast von Festos (Phaistos). Mit ein wenig Phantasie werden die architektonischen Leistungen der ersten europäischen Hochkultur, der Minoer, lebendig. Mehrstöckige Palastanlagen, Wasserleitungen und Kanalisationssysteme - und das vor über 4000 Jahren. Hier wurde auch der rätselhafte Diskos von Phaistos gefunden. Von ihm geht eine unbeschreibliche Faszination aus, vor allem weil man bis heute die Inschrift nicht entschlüsseln konnte.
Nicht weit von Festos liegt der Küstenort Matala. An diesem Strand stieg dem Mythos nach Zeus in Gestalt eines weißen Stiers aus den Fluten. Auf dem Rücken die entführte phönizische Königstochter Europa. Hier kam unser Kontinent zu seinem Namen. Das muss wohl in den 60er und 70er Jahren manch einen Aussteiger (u.a. Cat Stevens) dazu veranlasst haben, in den Höhlen oberhalb des Strandes nach Inspiration zu suchen.
Im mittleren Süden Kretas fallen die Ausläufer der "Weißen Berge" (Lefka Ori - Gebirge) steil zum Meer ab. Zu aufwändig, um die wenigen Orte mit einer Küstenstraße zu erschließen. So kann man auch bis heute die Insel dort nicht umrunden. Es sei denn, man geht zu Fuß (Wanderweg E4) oder nimmt die Fähre. Für die NEPTUNE ist der Transport von Fahrrädern nichts Ungewöhnliches.
Loutro liegt wie ein Piratennest in einer geschützten Bucht, wie gesagt ohne Straßenanbindung. Wir erleben den kleinen Urlaubsort noch nicht ganz aus dem Winterschlaf erwacht. Genau unser Fall, hier lassen wir erstmal die Seele baumeln.
Die Teilnahme an einem Osterfest in einer kleinen Dorfkapelle ist schon etwas Besonderes. Um Mitternacht warten alle gespannt auf die erlösenden Worte des Popen: Jesus ist wieder auferstanden! Kerzen werden angezündet und man umarmt sich.
Auch für einen Kölner, dem die Nubbelverbrennung zu Karneval durchaus geläufig ist, ist es ein wenig befremdlich wenn danach am Strand eine lebensgroße Puppe am Galgen verbrannt wird. Dann beginnt eine Massenspeisung mit gegrilltem Lamm - gefeiert wird bis zum Morgengrauen.
Das Top-Highlight von Kreta, die Samaria-Schlucht, haben wir für uns allein. Durch die starken Regenfälle in den Wochen zuvor sind große Teile der angelegten Wege und Bretterstege weggeschwemmt worden. Zwei Kilometer hinter dem Kassenhäuschen ist der Pfad nach oben gesperrt. Wir haben Glück: Die spektakuläre "Steinerne Pforte", ein nur drei Meter breiter Durchbruch, ist für uns noch begehbar. Im Sommer sollen sich hier bis zu 4000 Touristen am Tag durchzwängen...
In den Wochen vor unserer Anreise wüteten schwere Regenfälle auf der gesamten Insel. Die gröbsten Schäden wurden zwischenzeitlich behoben, alle Straßen waren befahrbar. Doch Risse in der Straße sowie Geröllflächen erfordern gerade bei Abfahrten besondere Vorsicht.
Gegen diese Naturgewalten kann der Mensch wenig ausrichten. Warum ist es aber nötig, dass die Straßengräben mit Müll gepflastert sind. Besonders diese neumodischen Hartplastikbecher mit gewölbtem Deckel schmerzen in den Augen. Fast schon ein Kunstwerk: Einen solchen Becher in einem Meilenstein zu drapieren.
Auf vielen Straßen fallen uns ca. 10 Zentimeter breite Schlitze auf, die meist auf der Innenseite der Fahrbahn eingefräst und dann wieder zugeteert wurden. Es gibt wohl keine andere Erklärung, dass es sich hierbei um das Insel umspannende Glasfasernetzwerk für TV und Internet handeln muss. Wie schlau ist das denn, auf diese simple und funktionale Art modernste Infrastruktur zu schaffen? Während man hier in Deutschland noch über das schnelle Internet für jedermann diskutiert, ist wahrscheinlich auf Kreta jede Scheune damit versorgt.
Kontrast der Wege: Auf der einen Seite die traumhafte Abfahrt durch die karge Gonies' Schlucht. So schön, dass man am liebsten unten umgedreht und noch mal hochgefahren wäre.
Auf der anderen Seite eine Abkürzung, die sich nach einiger Zeit als so steil darstellt, dass selbst ein Schieben nicht möglich ist. Auf dem Ständer könnte man die Räder nicht abstellen, wir legen sie für eine kurze Pause in den Dreck.
Kurzes Fazit:    
630 km, 10.200 hm, zusätzlich MTB-Tagestour "Istro": 53 km, 1200 hm

Die von uns im Uhrzeigersinn gedrehte Kreta-Runde (Start/Ziel: Heraklion) können wir uneingeschränkt empfehlen. Die dabei erklommenen Höhenmeter mögen nicht jedermanns Sache sein, aber dann darf man eben nicht nach Kreta fahren. Für uns machten die Aufstiege, Abfahrten, Panoramasichten, die Küstenpassagen, der MTB-Tag und die minoische Kultur den besonderen Reiz dieser Reise aus.

Die für die vollständige Umrundung Kretas notwendigen Fährpassagen haben uns zwar zweieinhalb Tage „gekostet“, an denen wir keine Kilometer auf den Tacho bekommen haben, aber sie haben uns auch an Orte wie Loutro und Agia Roumeli gebracht. Die abgeschiedene und exponierte Lage dieser Orte ist uns in bester Erinnerung – hier hätte man gut noch ein paar Tage dran- und abhängen können.

Die Jahreszeit schien für diese Tour gut gewählt. Ostern beginnt auf der Insel die Saison, jedoch wirkt alles noch etwas verschlafen. In vielen Restaurants saßen wir abends allein und konnten anfangs noch nicht abschätzen, ob es überhaupt etwas zu essen gibt. Dementsprechend komfortabel ist die Situation auf den Straßen: Wenig bis gar kein Verkehr.  

Der Radreiseführer (siehe unten) aus 2006 hat uns beste Dienste bei der Planung geleistet, da er ein Netz von Etappen beschreibt. Damit lässt sich die Tour auch vor Ort noch schnell umplanen. Leider gibt es keine zugehörigen GPS-Tracks, diese haben wir aufgrund der Beschreibungen selbst erstellt.

In den touristisch geprägten Urlaubsorten an den Küsten rund um die Insel gibt es keine Probleme, eine passende Unterkunft zu finden. Wir haben jeweils am Vorabend für die nächste Nach über ein bekanntes Reiseportal gebucht. Im Landesinneren sieht die Lage gänzlich dünner aus. In einem Fall mussten wir nachmittags noch 25 km dranhängen, bis wir zwei Betten gefunden hatten.
Weiterführende Links/Empfehlungen:
  • Martinbike Anbieter organisierten MTB- und Rennradtouren auf Kreta
  • Kreta per Rad, Herbert Lindenberg, Verlag Wolfgang Kettler, ISBN-13: 978-3-932546-36-5, 3. Aufl. 2006

Veröffentlichung aller Fotos mit freundlicher Genehmigung von Peter.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü