2017 Balkan-Radtour - vokra.de

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2017 Balkan-Radtour

Auf Tour
Vom 13. bis 22. August 2017
 
ALBANIEN – MONTENEGRO – KROATIEN – BOSNIEN-HERZOGEWINA – KROATIEN – SLOWENIEN – ITALIEN
 
6 (2) Länder ●  15 (9) Fahrtage  ●  ca. 1000 (620) km
 
Orange = Volker, schwarz = Peter

 
Schön, wenn sich ein Reiseziel in der Biermarke wiederfindet. Zumindest weiß man, dass der Flieger im richtigen Staat gelandet ist. Peter startet seine Tour in Albanien. Tagsüber geht die Temperatur in Richtung 40 °C und lässt seine ambitionierte Streckenplanung durch das bergige Hinterland dahinschmelzen. Ein kühles Bier gibt es vorerst nur abends.
 
Das prächtige Stadtbild von Dubrovnik an der südlichsten Spitze von Kroatien lässt einen leicht vergessen, dass hier noch Anfang der 90er Jahre ein Krieg getobt hat. Auch die Altstadt wurde mit Granaten beschossen, zahlreiche Gebäude sind niedergebrannt. Auf einer Info-Tafel unter einem Torbogen ist jede Beschädigung dokumentiert.
Heute brodelt hier Tag und Nacht das Touri-Leben.

 
Für mich beginnt hier der gemeinsame Teil der Tour mit Peter.  
Radwege sind uns in ganz Kroatien nicht begegnet. Bis kurz vor Split gibt es für Radfahrer auch keine sinnvolle Alternative zur Küstenstraße. Doch diese ist eigentlich überall gut ausgebaut und zugleich in gutem Zustand, so dass der teils heftige Verkehr von Touristen und LKW erträglich ist. Belohnt werden wir mit einem ständig möglichen Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln.  
Bei Abstechern ins Hinterland offenbaren sich die Folgen der Trockenheit: Flächenbrände haben erst kürzlich ganze Kulturlandschaften verwüstet. Besonders erschreckend, wenn Berghänge aufwändig durch Terrassen urbar gemacht wurden und nun für lange Zeit keine Erträge bringen können.

 
Die Hitze des Feuers lässt den Lack der Straßenschilder Blasen werfen. Das Schild ist nicht komplett verbrannt, die Straße, an der es steht, hat das Feuer gestoppt. Desto breiter eine Straße, desto wahrscheinlicher, dass sie den Feuerwehrleuten die Arbeit erleichtert indem sie eine Barriere für das Feuer bildet.
Wenn ein Fluss aus dem Hinterland die Berge durchbricht um sich in die Adria zu ergießen, verwandelt sich der sonst karge Küstenstreifen in ein fruchtbar grünes Delta.
Am Ende des Tages nach 100 Kilometern eine Unterkunft gefunden, frisch geduscht und ein kühles Bier im Sonnenuntergang – lässt sich das eigentlich noch toppen?
Jeden Morgen um 5:15 Uhr klingelt der Wecker. Möglichst noch in der Dunkelheit brechen wir auf, um die schön „kühlen“ Stunden des Vormittags bestmöglich auszunutzen. Bis zur Mittagszeit sollten dann 2/3 der Tagesetappe geschafft sein.
Für die ausgedehnte Siesta suchen wir uns stets ein passendes Plätzchen. Hier haben wir den Barkeeper einer Autoraststätte sogar um Erlaubnis gefragt, ob wir uns langlegen dürfen.  Für Passanten dienen wir auch schon mal als Fotoobjekt, es kann sowieso keiner verstehen, warum wir uns bei diesen Temperaturen mit dem Rad abmühen…
Wenn wir unser Tagesziel erreichen, haben die Strandurlauber bereits genug Sonne getankt und die Liegestühle verlassen. Genau das richtige Ambiente um den Sonnenuntergang zu erleben.
So sehen wir aus, wenn mal etwas nicht ganz nach Plan läuft – das Lächeln klappt nur mit Mühe. Kaum haben wir auf dem Inselhopping-Teil der Tour die erste Insel (Pag) erreicht, da wird uns dringend empfohlen, mit der nächsten Fähre wieder auf das „sichere“ Festland überzusetzen. Für die Region sind schwerste Stürme mit unbekannter Dauer vorhergesagt. Fähren legen dann keine mehr ab. Über den Bergen türmen sich zwar die Wolken und abends regnet auch ordentlich, aber das große Unwetter bleibt aus. Am nächsten Morgen setzen wir dann auf die nächste Insel (Rab) über.
Vom Festland aus wirken fast alle Inseln unbewohnbar, eine beige-farbene grobe Steinwüste erhebt sich jeweils aus dem Wasser. Die dem Meer abgewandten Seiten der Inseln sind vom Niederschlag benachteiligt. Kaum vorstellbar, dass auf der anderen Seite alles grün sein soll.
Kein Bier vor 9! Auf unserer letzten Fährüberfahrt nach Krk ist es schon 10 Uhr.
Wie schafft man bei dieser Hitze den Flüssigkeitsausgleich? Klar, mit Wasser! Aber das schwappt schon um 8 Uhr morgens blubberwarm in der Trinkflasche. In vielen Bars und Restaurants gibt es „Lemonade“, das ist eine frisch ausgepresste Zitrone in einem großen Wasserglas. Peter schwört darauf, aber ich habe den Eindruck, dass mir die Säure den Mundraum eher austrocknet. Also tasten wir uns auch tagsüber langsam an Bier ran. Leider ist 0%-Bier hier gänzlich unbekannt. Dann eben mit! Der Alkohol ist binnen kürzester Zeit wieder abgebaut, es stillt ideal den Durst und liefert nebenbei noch ein paar Kalorien. Um 6 sind wir ja spätestens auf den Rädern, da hat man um 9 schon reichlich Durst. Wir nehmen uns vor, diese Grenze nach vorne nicht zu verletzen: Kein Bier vor 9!
Auf Krk führt uns der Track vom Fähranleger erst steil auf die Höhe und zweigt dann von der Straße in den Wald ab. Der Schotterweg wird zum Pfad, der hier eigentlich nur für MTBs geeignet ist. Als solcher ist er auch ausgeschildert, wir müssen teilweise schieben!
An dieser Brücke von Krk zum Festland trennen sich unsere Wege. Der Flughafen von Rijeka liegt auf der Insel. Für mich endet die Tour hier und Peter will noch weiter über Rijeka nach Triest und von dort mit dem Zug in die Dolomiten.
Kurzes Fazit:    

Mit der Wahl der Strecke haben wir alles richtiggemacht: Im Süden Kroatiens, wo es keine Alternativen zur Küstenstraße gibt, haben wir diese auch genutzt und immer das Meer im Blick gehabt. Weiter nördlich dann zwei wirklich schöne und abwechslungsreiche Abstecher ins Hinterland. Und ab Posedarje, dort wo es sich wirklich anbietet, mit den Fähren per Hopping die Inselwelt kennengelernt. Mit vielleicht kleinen Abweichungen ist unser Track eine echte Empfehlung für Nachahmer.

Die Wahl der Jahreszeit ist für eine solche Radreise sicher nicht nachahmenswert: Im August ist es nicht nur heiß, sondern es ist die Hauptreisezeit, vor allem auch für die Italiener, die einen Gutteil der Touristen ausmachen (warum auch immer, schließlich haben die doch ihre eigene Adriaküste). Das bedeutet volle Straßen, volle Strände und Restaurants, aber vor allem volle Unterkünfte. So richtig verstanden haben wir nicht, wie der Tourismus in Kroatien läuft, aber große Hotelkomplexe wie auf den Kanaren oder an der türkischen Adria sind uns überhaupt nicht begegnet. Stattdessen prangt an sehr vielen Privathäusern das blaue Schild mit „Sobe“ oder „Apartman“. Wie die Vermieter aber an ihre Gäste kommen hat sich uns nicht erschlossen oder hat jedes dieser Häuser seinen eigenen Webauftritt? Uns blieb jedenfalls nichts anderes übrig, als nachmittags von Tür zu Tür zu ziehen, oft ja auch erfolglos.  

Erneut hat sich meine Radtasche bewährt, mit der das Fahrrad im Flieger transportiert werden kann. Allerdings sollte ich beim nächsten Mal größere Sorgfalt beim Packen insbesondere für den Hinflug aufwenden. In meinem Fall hat die hintere Bremsscheibe über die gesamten 600 Kilometer rhythmisch am Bremssattel geschliffen, weil sie wohl während des Fluges beschädigt wurde.
Je exotischer das Flugziel und damit die eventuell erforderliche Ersatzteilbeschaffung schwieriger, desto wichtiger ist es die empfindlichen Teile zu schützen.
Trotzdem beflügelt die Möglichkeit, das eigene Rad im Flieger mitnehmen zu können, die Phantasie für neue Tourziele.
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